Natürlich liessen es sich die Automobil-Zeitschriften nicht nehmen, das schnelle Bentley-Coupé zu testen. Ganz so schnell wie versprochen zeigte sich der Wagen allerdings nicht. Im Juni 1992 stoppten die Automobil Revue 8,3 Sekunden für den Sport von 0 bis 100 km/h, als Höchstgeschwindigkeit wurden “über 240 km/h” dokumentiert. Der Verbrauch pendelte sich nach den Test- und Messfahrten bei 16,8 Litern pro 100 km ein, nicht schlecht für ein vollgeladen 2,8 Tonnen schweres Coupé.
Als “Tourer für die grosse Reise” charakterisierten die AR-Tester den Wagen, kritisierten dabei allerdings eine Verhärtung der Federung auf deutschen Autobahnen. Generell schien der Kompromiss zwischen Sportlichkeit und Komfort nicht ganz geglückt zu sein, man hätte gerne selber in die Elektronik eingegriffen.
An den Platzverhältnissen gab es dafür wenig zu bemängeln und die Ausgestaltung der Inneneinrichtung überzeugte sowieso. So lautete denn auch das AR-Fazit:
“Mit dem neuen Continental R gewinnt die Marke Bentley einen schönen Teil der gewünschten Eigenständigkeit zurück, auf den sie in den vergangenen drei Jahrzehnten hatte verzichten müssen. Das neue Luxus-Coupe markiert demzufolge einen Neubeginn, der nicht nur viel verspricht, sondern für später noch mehr erwarten!”
Auch Wolfgang König von AMS setzte sich in das Bentley-Coupé, das sogar die Limousine in der Länge noch etwas überragte. Auch er kritisierte den Fahrkomfort, wenn sich die Federung auf sportlich einstellte. Insgesamt zog aber auch er ein positives Fazit:
“Im Normalfall zeigt sich der Bentley schon straff genug, wenn auch noch ausreichend komfortabel, und überrascht, wie schon die Limousine, mit unvermuteter Handlichkeit. Bleibt noch die Kardinalfrage. Kann ein solches Auto überhaupt 460’000 Mark wert sein? Für Continental-Fahrer – mehr als 500 haben ihre Bestellung angeblich bereits abgegeben – kein Problem: Die Frage stellt sich nicht.”
Einige Jahre später, nämlich im Jahr 1996, stellte die “Motor Revue” den Continental R dem nicht einmal halb so teuren Mercedes-Benz 600 SEC gegenüber, welcher zwar auch viel Holz und Leder bemühte, um stilvoll zu sein, es trotzdem aber gegen den Bentley schwer hatte. Natürlich war der Mercedes-Benz das technisch modernere Auto, trotzdem konnte er dem Bentley in mancher Hinsicht nicht das Wasser reichen, zumal sein Styling nicht auf grosse Gegenliebe stiess.
“Das Tüpfelchen auf dem i ist der Blick über die Motorhaube. Beim Mercedes sieht man das gleiche wie bei allen Autos: fast nichts. Der Bentley dagegen trägt eine spitz zulaufende Haube wie in alten Zeiten, unendlich lang, ein Symbol der Kraft, die darunter schlummert,” erklärte Götz Leyrer in seinem Vergleichstest und resümierte:
“Bentley-Fahren ist eine Sache der Überzeugung. Man muß großzügig sein gegenüber gewissen Schwächen, kann nicht die absolute Perfektion erwarten und darf sich auch darüber ärgern, dass ihm sogar eines dieser hässlichen Lenkräder verpasst wurde, in deren Nabe sich ein Airbag verbirgt. Wer das perfekte Auto will, kauft bei Mercedes. Und er lässt die aufdringlichen Schriftzüge weg. Das ist dann schon ein erster Schritt auf einem Weg, der möglicherweise beim Bentley endet.”

